Home / Tipps und Service / Job & Karriere / Zwei Westfalen in der Offizier Ausbildung der Marine. Von der Lippe an die Flensburger Förde

 

Flensburg – Westfalen: Pünktlich zum Beginn der Sommerferien steigen die Temperaturen. Schulabgänger feiern mit Abschluss oder Abitur in der Tasche das Ende ihrer Schulzeit. Urlaub – eine Zeit zum Genießen. Zwei junge Westfalen fallen komplett aus diesem Raster. Sie müssen aufstehen, wenn ihre ehemaligen Klassenkameraden ins Bett gehen. Sie lernen marschieren, Waffen zerlegen und Zelte aufbauen. Zuhause an der Lippe steht dagegen die korrekte Handhabung von Sonnencreme auf dem Programm. Aber Joschka Schmid (20) und Isabelle Pella (19) haben ihre Gründe, diese Entbehrungen auf sich zu nehmen. Sie verfolgen dasselbe große Ziel: Offizier bei der Deutschen Marine. 

 

Die ersten Schritte in die neue Welt

Für ihr Ziel reisen die Beiden etwa 400 Kilometer von der Lippe bis an die Flensburger Förde. Er kommt aus Lage, sie aus Lemgo. Am 1. Juli treten sie zusammen mit 149 weiteren Kameraden an der Marineschule Mürwik ihren Dienst an. Gemeinsam durchlaufen sie nun die sechswöchige Grundausbildung, die immer am Anfang der Offizierausbildung steht. Den Rekruten werden in dieser Zeit die Grundlagen des Soldatendaseins vermittelt. Wesentliche Aspekte sind das Wissen um ihre Rechte und Pflichten als Soldat und die Anforderungen des Zusammenlebens in einer militärischen Gemeinschaft. Nicht zuletzt lernen sie das Element Wasser kennen. 

 

Marineschule Mürwik. Die 19 Jährige Lemgoerin (Lemgo/Lieme) absolviert an der Marineschule Mürwik den Soldatischen Basis Lehrgang. Foto: Ricarda Schönbrodt / PIZ Marine
Marineschule Mürwik. Die 19 Jährige Lemgoerin (Lemgo/Lieme) absolviert an der Marineschule Mürwik den Soldatischen Basis Lehrgang. Foto: Ricarda Schönbrodt / PIZ Marine

Erste Ausbildungsgänge

Die Handwaffenschießausbildung (HWS) ist ein wichtiger Pfeiler der Ausbildung. So auch für den Zug 23, zu dem Matrose Schmid gehört. Wirklich geschossen wird aber noch lange nicht. Erst müssen die Offizieranwärter mit ihrer Waffe richtig umgehen können. Begonnen wird mit dem Zerlegen, Reinigen und Zusammensetzen, was Schmid und seine Kameraden an der Pistole P8 üben. Dabei werden sie von ihren Ausbildern unterstützt und auf Fehler bei der Handhabung hingewiesen. Für Isabelle Pella und die Rekruten des Zuges 21 steht Zeltbau-Unterricht auf dem Programm. Auf einer der zahlreichen Wiesen der Marineschule zeigen die Ausbilder den Rekruten den Aufbau des Zweimannzelts. Im Anschluss versuchen sich die Rekruten selbst. 

 

Der Weg zur Marine

„Ich war mir seit der zehnten Klasse sicher, zur Bundeswehr zu wollen“, berichtet die 19-jährige. „Ein Wehrdienstberater war bei uns in der Schule, der gab mir den ersten Anstoß.“ Da steuerte sie noch auf einen Realschulabschluss zu. Doch mit dem Ziel vor Augen, es zum Bundeswehroffizier zu schaffen, machte sie schließlich auf der Karla-Raveh-Gesamtschule in Lemgo ihr Abitur. „Zur Orientierung habe ich mir auf eigene Faust Praktika und Truppenbesuche gesucht. Ich war zum Beispiel bei den Fallschirmjägern, in einigen Heereskasernen und mit treff.bundeswehr.de auf Sardinien. „Aber“, wendet sie ein, „schließlich habe ich mich für die Marine entschieden, weil mich die Seefahrt reizt. Und ich mag, wie familiär und traditionell es in der Marine zugeht. Die Schule hier ist ein sehr gutes Beispiel.“ Die Marineschule Mürwik ist eine der ältesten Schulen der Marine und wird sehr traditionsbewusst geführt. 2010 feiert das sogenannte „Rote Schloss am Meer“ seinen 100. Geburtstag. 

 

 

Traumberuf Hubschrauberpilot

Für Joschka Schmid stand eines schon lange fest:  „Ich will fliegen.“ Nur wie der Weg zur Erfüllung seines Traums aussehen sollte, das wusste er noch nicht genau. Er dachte erst an die Polizei, aber die Chance Pilot bei der Deutschen Marine zu werden, wollte er sich nicht entgehen lassen. „Am liebsten würde ich den Bordhubschrauber „Sea Lynx“ fliegen“, sagt er.  Der Matrose hat die ersten Hürden bis hin zum dem Platz im Cockpit bereits überwunden. „Durch die drei Auswahl-Phasen habe ich es geschafft“, sagt er nicht ohne Stolz. Jeder, der für die Bundeswehr einen Hubschrauber oder ein Flugzeug fliegen will, muss diese Phasen durchlaufen. Phase I stellt die Prüfung auf Offiziertauglichkeit dar. In Phase II werden in Fürstenfeldbruck flugmedizinische und fliegerpsychologische Tests unterzogen. Abschließend folgt in Phase III die fliegerische Lernprobe, wofür die Bewerber unter anderem in einen Flugsimulator gehen. Das Auswahlverfahren ist sehr fordernd und die Zahl der für die Pilotenausbildung zugelassenen Anwärter klein. 

 

Offizieranwärter Matrose OA Joschka Schmid an der Marineschule Mürwik. Der 20 Jährige Lagenser (Lage/Hörste) absolviert an der Marineschule Mürwik den Soldatischen Basis Lehrgang. Foto: Ricarda Schönbrodt / PIZ Marine
Offizieranwärter Matrose OA Joschka Schmid an der Marineschule Mürwik. Der 20 Jährige Lagenser (Lage/Hörste) absolviert an der Marineschule Mürwik den Soldatischen Basis Lehrgang. Foto: Ricarda Schönbrodt / PIZ Marine

Die Offizierausbildung bei der Deutschen Marine

Nach der Grundausbildung folgen für die beiden Westfalen weitere Ausbildungsgänge, die in unterschiedlicher Reihenfolge durchgeführt werden können. Ein Baustein ist die infanteristische Ausbildung in Plön. Sie dauert sechs Wochen.

Aufbauend auf die Grundausbildung werden die Grundlagen in der Handwaffen-, Wach-, Schieß- und ABC- Ausbildung gefestigt und schrittweise ausgebaut. Des Weiteren liegt der Schwerpunkt nun in der Geländeausbildung sowie in der Übernahme der Verantwortung als  Wachsoldat. Am bekanntesten ist wahrscheinlich die  seemännische Basisausbildung.

Die Offizieranwärter begeben sich rund sechs Wochen auf eine Ausbildungsreise mit dem Segelschulschiff „Gorch Fock“. Die jungen Soldaten kommen hier erstmals mit der Seefahrt in Berührung. Sie erhalten einen nachhaltigen Eindruck vom Bordleben, sowie den Auswirkungen der Naturgewalten auf Schiff und Besatzung.

Nicht zuletzt, aber auch ein Bild von der Schönheit der Seefahrt. In diesem frühen Stadium der beruflichen Prägung erfahren die zukünftigen Seeoffiziere, was es bedeuten kann, seine eigenen Bedürfnisse oder Interessen hinter Auftrag und Fürsorge zu stellen. Darüber hinaus erlernen die Offizieranwärter elementare seemännische und meteorologische Fertigkeiten. 

 

Navigation gehört dazu

Nicht fehlen darf natürlich ein Ausbildungsgang in Sachen Navigation, der ebenfalls sechs Wochen dauert. Im Verlauf dieses Ausbildungsmoduls erhält der Offizieranwärter eine grundlegende Ausbildung in Navigation, Nautischer Gesetzeskunde, wie auch in der Handhabung von Kraft- und Segelbooten. Ferner nimmt die Sportausbildung wieder eine größere Rolle ein. Dabei geht es um die Steigerung der körperlichen Leistungsfähigkeit. Ein weiterer wichtiger Faktor der Ausbildung ist der Englischunterricht. Dieser soll sie so gut wie möglich für die zukünftigen Aufgaben im multinationalen Umfeld vorzubereiten.

 

Nicht nur Spaß

Die Meinungen über die schönsten Seiten der Ausbildung gehen leicht auseinander „Die immer wieder stattfindenden Wettkämpfe zwischen den Ausbildungszügen finde ich am Besten „, sagt Schmid. „Mir hat der 8-Kilometer-Marsch gefallen“, meint Matrose Pella. „Vor allem die militärischen Sportübungen machen viel Spaß. Bisher bereue ich es absolut nicht, mich für die Bundeswehr entschieden zu haben.“ Das sieht ihr Kamerad auch so. „Wenn ich unzufrieden sein würde, wäre ich nicht mehr hier.“ Am 7. August haben die Rekruten ihre Vereidigung. „Darauf freue ich mich schon“, meint Schmid. „Ich bin mehr gespannt auf unsere Geländeübung“, sagt Pella. In einem sind sich die Rekruten aus Westfalen aber einig: „Die Fahrt mit der „Gorch Fock“ – darauf freuen wir uns am meisten. Quelle: Presse- und Informationszentrum Marine

 

 
06 4507 · 07 5 · # 12. November 2017